Dem Glauben eine Stimme geben
400 Jahre Chorgesang an St. Margareta - Großes Festprogramm

Haben eine exzellente Festschrift und ein umfangreiches Jubiläumsprogramm erarbeitet: (v.l.) Peter J. Klasen, Winfried Hanrath, Thomas Kaufmann, Hannelore Fischer und Edith Krath.















 | Foto: Foto Brodüffel
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Brühl. Im harten Winter 1625 leiden die rund 1.200 Einwohner von Broell unter eisiger Kälte und heftigen Schneefällen. Mitteleuropa erlebt die kleine Eiszeit mit strengen, langanhaltenden Wintern und kühlen Sommern mit verheerenden Hagelstürmen. Im Rechnungsbuch der Gemeinde St. Margareta findet sich 1625 folgender Eintrag: „Hat der Herr Pastor noch … wegen zur Zeit der großen schettlichen Frost und Kälte angefangen, deß abends und bestellt die Glocken zu leuden und abends die Chorsänger acht tage bis über die halbe Nacht sich beflissen Gott zu loben mit gesang umbw abwendung solcher verdienter Strafen – is jedem ein Maß Wein verwilligt.“ Die Kälte gilt als Strafe Gottes. Wahrscheinlich bekommen die Sänger den „Sauren Hund“ aus dem Vorgebirge. „Den Text habe ich bestimmt 20 Mal gelesen“, erzählt Thomas Kaufmann über das Studium des in Kurrentschrift verfassten Eintrags. „400 Jahre Chorgesang in einer Gemeinde. Das ist ungewöhnlich und spannend. Solche Zeitspannen kennt man zumeist nur aus Klöstern.“ Eine der Glocken, die Margaretenglocke, hängt übrigens heute noch im Geläut der Kirche. Das Gotteshaus hat 1625 auch schon seit 90 Jahren eine Orgel, von Meister Wilhelm aus Antwerpen. Der Chor, der vor vierhundert Jahren gegen die Kälte singt, besteht aus 22 Männern. Frauen sind nicht zugelassen. Im Jahr 1668 verbietet Papst Clemens IX den Frauen sogar jeden öffentlichen Gesang: „Keine Weibsperson bei hoher Strafe darf Musik aus Vorsatz lernen, um sich als Sängerin gebrauchen zu lassen.“ Hohe Stimmen werden in der Folgezeit durch Knaben und später bis weit ins 18. Jahrhundert durch Kastraten übernommen. Erst 50 Jahre nach der Gründung des Kirchenchores an St. Margareta im Jahre 1900 dürfen Frauen mitsingen. Heute gehören dem Chor unter der engagierten Leitung von Peter J. Klasen 33 Sängerinnen und zwölf Sänger an. In einem umfangreichen Kapitel der exzellenten Festschrift mit 150 Seiten berichten die Sängerinnen und Sänger des nun seit 125 Jahren bestehenden Kirchenchores an St. Margareta über ihre persönlichen Beweggründe. Eine Auswahl: Regina Dahms-Düx: „Im Kirchenchor zu singen ist meine Art und Weise, mich religiös in der Gemeinde zu engagieren.“ Hannelore Fischer: „Hier im Chor herrscht ein gutes Miteinander, es sind Freundschaften entstanden über die langen Jahre.“ Anne Wübben: „Wenn aus dem ersten Herantasten an Noten, Text, Rhythmus und Dynamik eines Chorstückes zum Schluss ein wunderbares Ganzes wird, ist das ein besonderes Erlebnis, das süchtig machen kann.“ Edith Krah: „Die Mitgestaltung der Gottesdienste, die Verkündigung, ist meine Form, meinen Glauben zu teilen.“ Hans Vogelfänger: „Am Singen im Kirchenchor schätze ich das sorgfältige Proben der Einzelstimmen und danach das Erlebnis des wohlklingenden gemeinsamen Singens.“ Auftakt des Festjahres mit zahlreichen Konzerten und Veranstaltungen bis Ende November ist das Eröffnungskonzert in St. Margareta mit dem Kirchenchor am Sonntag, 2. Februar, 17 Uhr, mit anschließendem Festakt und Eröffnung der Ausstellung über die Geschichte des Chorgesangs in Brühl. Wie vor 400 Jahren gibt es auch wieder Wein. Allerdings kein Tropfen aus dem Vorgebirge, sondern ein Grauer Burgunder aus dem Weingut Borell-Diehl in der Pfalz als Jubiläumswein.

Der Kirchenchor probt donnerstags ab 20 Uhr im Begegnungszentrum margaretaS. Neue Sängerinnen und Sänger sind willkommen.

Freie/r Redaktionsmitarbeiter/in:

Hans Peter Brodüffel aus Brühl

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